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MKO Kritik

Wir erlauben uns, Euch auf unseren aktuellen Bericht Seegras schwingt zu John Adams "Shaker Loops" - MKO MOVES – Münchener Kammerorchester spielt für Tanz und Schule unter www.tanznetz.de und unter www.accesstodance.de hinzuweisen.


Der Rhythmus des Lernens, Süddeutsche Zeitung, Münchner Kultur, 11. Juni 2008.

Körperschule: Ein Tanzprojekt verbessert die Unterrichtsqualität

Kinderfüße trippeln über den Hallenboden. Manche wippen nervös auf und ab, andere tapsen auf der Stelle. "Wir treffen uns im Stern", ruft Eva Seidl. Jetzt bilden sie einen Kreis, die Füße der zwölf Schüler der Klasse 1a des Sonderpädagogischen Förderzentrums an der Nadistraße. Seit kurzem alterniert dort alle zwei Wochen ein zweijähriges Tanzprojekt mit dem Sportunterricht, um die Kinder sozial, emotional und motorisch zu fördern und die Unterrichtsqualität zu verbessern. "Wir geben jetzt eine Nachricht weiter", sagt Tanzpädagogin Seidl, klatscht zweimal in die Hände und schnipst einmal mit den Fingern. Die Kinder der Diagnose- und Förderklasse tun es ihr gleich, die Nachricht geht reihum, hat nur manchmal Verspätung, wenn ein Postbote dreimal klatscht oder zu schnippen vergisst. "Wir versuchen spielerisch Rhythmus zu lernen", erklärt Seidl. "Viele Fächer wie Mathe, Lesen und Schreiben funktionieren über das rhythmische Gefühl, am besten trainiert wird es über den Körper."

Um die 30 Tanzprojekte unter dem Namen "Access to Dance - Tanzplan München", organisiert vom Kulturbüro Tanz und Schule, laufen derzeit an Münchner Schulen, das Haus an der Nadistraße ist darunter die einzige Förderschule. Die stellvertretende Direktorin Cornelia Kripp-Renz hat vorab gute Erfahrungen mit drei Einzelprojekten gemacht und findet, dass das Langzeitmodell perfekt in "das Konzept von ganzheitlichem Lernen" passt. Die Kinder sollen erfahren, wie es ist, "mit allen Sinnen wahrzunehmen, ein Gefühl für andere zu entwickeln und den eigenen Körper zu registrieren". All das sei auch in Konfliktsituationen wichtig, und so werde auf lange Sicht "vielleicht sogar die Gewaltprävention überflüssig." Die Schüler der Diagnose- und Förderklasse 1a weisen überwiegend Sprachentwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivität, aber auch motorische und kognitive Fehlentwicklungen auf. "Ich bin mir sicher, dass wir hochintelligente Kinder in der Klasse haben", sagt Eva Seidl, "die Intelligenz ist oftmals nur verschüttet, und die Kinder können nicht ran." Seidl sieht die Ursache der Entwicklungsstörungen vor allem in der strengen Diagnostik und darin, "dass die Kinder so früh eingeschult werden und der gesellschaftliche Anspruch zugenommen hat".

Kunst am Brennpunkt

Mohamed, Lisa, Mustafa und die anderen Kinder bewegen sich derweil zur Musik durch den Raum, schleichen, stampfen, rollen oder rennen. Wer nicht leise sein kann, wenn Seidl spricht, muss sich auf die Bank setzen. Ausgelacht wird deshalb aber niemand. "Die Kinder haben im vergangenen halben Jahr schon wahnsinnige Fortschritte gemacht", sagt Seidl. "Am Anfang konnten sie alle nicht mal für einen Moment ruhig auf der Stelle stehen und sich einigen, wer der erste in der Reihe sein darf. Inzwischen wechseln sie sich sogar automatisch ab." Der Tanz sei auch deshalb so gut zur Förderung geeignet, "weil im normalen Sportunterricht immer die Leistung im Vordergrund steht", sagt Seidl: "Bei mir experimentieren die Kinder mit ihrem Körper und sind dabei oft so harmonisch, dass es eigentlich schon Tanz ist."

Seidl will bald für fünf Unterrichtsstunden auch eine klassische Musikerin engagieren. Bei dem Haus an der Nadistraße handelt es sich um eine sogenannte Brennpunktschule mit einem Ausländeranteil von mehr als 60 Prozent. Im Unterricht will Seidl, die auch Tänzerin ist, ein "Klangbett" schaffen, auf dem die Kinder sich bewegen können. Ob sie sich als Künstlerin oder Pädagogin sieht? "Ich brauche den künstlerischen Hintergrund, um zu wissen, wo ich hin will, also fange ich pädagogisch an, habe aber dabei mein künstlerisches Ziel im Kopf." Für das nächste Schuljahr plant die Klasse einen Besuch beim Bayerischen Staatsballett, um dort "zu proben, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und um zu sehen, was die Profis machen", sagt Simone Schulte von Tanz und Schule. Knapp 12 000 Euro kostet das zweijährige Tanzprojekt an der Nadistraße, das zudem eine Lehrerfortbildung einschließt. Das Kulturreferat, das Münchner Konzept zur Schulentwicklung und der gemeinnützige Verein Tanz und Schule stemmen gemeinsam das Budget.

Lisa, Mohamed und den meisten anderen ihrer Klassenkameraden steht nach dem abgeschlossenen Tanz-Projekt ein Wechsel an eine Grundschule bevor. "Wenn es finanziell möglich ist", sagt die stellvertretende Direktorin Kripp-Renz, "würden wir das Projekt allerdings gerne langfristig in den Lehrplan aufnehmen".EVA-MARIA LINDNER

Aus dem Gleichgewicht, Interview mit Andrea Marton

Beitrag von Katja Schneider, Jahresheft Tanzplan Deutschland 2006/2007

Bewegung in die Schule bringen, von Malve Gradinger, Oper & Tanz 2008/04


Saarbrücken/München, 30.06.2007

Saarländischer Ministerpräsident Müller verleiht Zukunftspreis Jugendkultur der PwC-Stiftung

Mit dem Zukunftspreis Jugendkultur hat die PwC-Stiftung jetzt zum dritten Mal Leuchttürme der kulturellen Jugendbildung ausgezeichnet. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller verlieh den mit 12.500 Euro dotierten Preis an das Münchner Kulturprojekt „Tanz an Bayerns Grundschulen". Mit einem Sonderpreis für besonderes Engagement für Kinder- und Jugendkultur wurde das ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt verankerte Projekt „Majostics: Die Magie der Anziehung" gewürdigt. Den Rahmen bildete der Auftakt des bundesweiten Kongresses „Kinder zum Olymp!" der Kulturstiftung der Länder gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes im Saarbrücker Staatstheater.

Bewegung und Musik in den ersten Schuljahren zu verankern, das ist das Ziel von „Tanz an Bayerns Grundschulen". Das Kulturbüro Simone Simone Schulte & Andrea Marton vermittelt dazu renommierte Tanzpädagogen für umfassende Workshops an die teilnehmenden Bildungseinrichtungen - bis zu 40 Schulen des Freistaates sind einbezogen. Das Projekt ist verzahnt mit dem „Tanzplan Deutschland", dessen Münchner Ableger „Access to Dance“ und dem Bayerischen Staatsballett.

Die PwC-Stiftung „Jugend - Bildung - Kultur" gibt es seit Dezember 2002. Sie wurde auf Initiative der Führungskräfte der PricewaterhouseCoopers AG WPG gegründet.

www.pwc-stiftung.de
www.tanz-und-schule.de
www.bayerisches.staatsballett.de
www.tanzplan-deutschland.de